Der Papst erklärt Kondome in Einzelfällen für legitim

Die Überschrift ließ hoffen. Man denkt an Familien, Menschen die länger in einer Beziehung leben (hetero-, oder homosexuell), schlichtweg im Zusammenhang mit Sexualität, die in einem “verantwortungsvollen, liebevollen”  Umfeld stattfindet.

Was mich dann aber doch etwas überrascht, ist der Wortlaut im Interview. Lesen sie selbst:

“Es mag begründete Einzelfälle geben, etwa wenn ein Prostituierter ein Kondom verwendet, wo dies ein erster Schritt zu einer Moralisierung sein kann, ein erstes Stück Verantwortung, um wieder ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will. Aber es ist nicht die eigentliche Art, dem Übel der HIV-Infektion beizukommen. Diese muss wirklich in der Vermenschlichung der Sexualität liegen.”

Das ließ mich dann doch etwas nachdenklich werden. Männliche prostituierte sind ja in der sekulären Welt, mit Verlaub, eher eine Minderheit. Anders scheint hier die Lage im Vatikan zu sein. Oder wie erklärt sich sonst diese Aussage?

Die Homophobie des Vatikans ist ja hinlänglich bekannt. (Die Homo- und Pädophilie auch ). Was aber heißt …”dies kann ein erster Schritt hin zu einer Moralisierung sein, ein erster Akt von Stück Verantwortung, um erneut das Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass nicht alles erlaubt ist und man nicht alles tun kann, was man möchte”?

Ist es kein Akt der Homosexualität, wenn sich der Prostituierte ein Kondom überzieht, weil es nicht zum direkten Kontakt mit dem Geschlechtsorgan kommt?

Was ist mit jenen männlichen Prostituierten, die gar nicht möchten, aber müssen? Haben sie keine Absolution, ein Kondom tragen?

Dürfen weibliche Prostituierte von ihren Freiern verlangen, dass sie ein Kondom nehmen, oder werden sie dann wegen Aufforderung zur Sünde in der Hölle schmorren?

Nicht dass ich ein besonderer verfechter von Kondomen bin. Man kann das durchaus kontrovers diskutieren.  Aber kann mir bitte jemand erklären, was dieser Einzelfall belegen soll?

Dass die kirchliche Sexualmoral männliche prostituierte den ihr anvertrauten Kindern vorzieht, und diesmal nichts vertuschen will?

Dass Sexualität ebenso wie das katholische Priestertum genuin männlich sind, und Frauen somit kein Thema sind?

Und wie stellt man sich die Vermenschlichung der Sexualität vor? Ist HIV nicht ein Problem der menschlichen Sexualität? Soweit mein Wissen am aktuellen Stand ist, wird HIV auch über menschliche Sexualität übertragen. Ich gehe einmal davon aus, dass es in den meisten Fällen so ist. Virtuelle Sexualität oder die Sexualität anderer Lebensformen (außer eben jener der HI-Viren) dürften eher eine geringe Rolle in der Ansteckung spielen. aber es gibt natürlich Formen der Ansteckung, die mit Sexualität überhaupt nichts zu tun haben.

Ich komme hier nicht mit. Kann mich diesbezüglich jemand aufklären?

Naja; Die PR für das Buch läuft auch nach den Regeln der Kunst ab. Es wird sich hervorragend verkaufen, ich weiß nicht wer es versteht, ist letzten Endes für den kommerziellen Erfolg aber egal. Ich finde zumindest diese Passage höchst verwirrend, und hoffe, dass der rest des Buches eine klarere Aussage hat.

~ von bauer75 am November 22, 2010.

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